Projekt TartessusTrail – eine Zwischenbilanz

Beachhiking an der Costa de la Luz.

wanderkarte

Den Tartessus Trail gibt es nicht.
Also nicht wirklich. Es ist der Name, den ich der fixen Idee gegeben habe, die ganze Costa de la Luz am Strand zu erwandern. In den gut 120 km zwischen Cadiz und Tarifa reiht sich ein Traumstrand an den nächsten und die Besiedelung ist noch recht überschaubar.

Warum das ganze?
Ich liebe es am Strand zu laufen, kilometerweit. Und ich liebe es zu wandern und mit Rucksack von Ort zu Ort zu trekken. Also habe ich mir irgendwann in den Kopf gesetzt, vom „Silbertässchen“ Cadiz bis zum südlichsten Süden Festland-Europas, nach Tarifa  zu trekken. [leer en español]
Große Strecken lassen sich barfuss oder in leichten Trekking-Sandalen bewältigen.👣So sehr ich meine Wanderstiefel auch schätze, das ist einfach großartig.

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120 Kilometer könnte man eigentlich gut in einer Woche machen, wenn man es eilig hat und den Weg kennt. Ich habe es weder eilig, noch ist überall der Weg klar.

Wie gesagt gibt es den TartessusTrail nicht wirklich. Ich kann nicht einfach einen Reiseführer aufschlagen und die Route nachlaufen. Kann ja auch gar nicht so schwer sein, immer am Strand lang, oder? Ja und nein.

Wie mach ich’s?
Anhand von Broschüren der gaditanischen Tourismusbüros, vereinzelten Einträgen in Wanderführern (vereinzelt? ich glaube EINER), und viel Internetrecherche in diversem Kartenmaterial (OpenStreetMap, googlemaps, Wikiloc Trails) habe ich mir die möglichen Wege zusammengepflückt an Stellen, an denen es nicht einfach offensichtlich am Strand entlang geht. Manchmal sind wir einfach losgelaufen und haben geschaut, was der Weg uns so bringt, mit Smartphone-GPS und Hiking-App bewaffnet und fragend, wen man antraf.

Über die letzen  Jahre habe ich immer mal wieder ein Stückchen der Strecke ergänzt. 2014 war der Startschuss mit dem TT1. Von Cadiz startend bin ich mit Lücken bis nach Barbate gekommen. Beim TT2 (2015) bin ich von Tarifa aus gen Norden bis Atlanterra gekommen. Der TT3 (2016) schließlich diente dazu, den Norden der Küste zu erkunden, von Sanlucar ging es bis zur Costa Ballena.

Das sind immer nur kleine Häppchen, da drumherum auch einfach mal gefaulenzt wurde (ist ja schließlich Urlaub), eine Mückenplage uns das Wandern vermiest hat oder auch schon mal ein Magen-Darm-Virus einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Zwischendurch bin ich auch noch in anderen Gegenden als in Cadizfornia unterwegs gewesen. So viele tolle Sachen auf der Welt zu sehen und so wenig Zeit…

Jedenfalls werden die vielen Krümel langsam zu ´nem Kuchen. Wie ihr an der Karte oben seht, sind schon große Teile der Küste grün, also erwandert. Die fehlenden Streckenabschnitte warten meistens mit einer Besonderheit auf, die etwas mehr Planung und (vor-Ort-) Recherche erfordert.

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Fehlendes Puzzlestück 1
Auf dem Weg von Cadiz nach San Fernando steht eine militärische Sperrzone im Weg, mitten am Strand. Bevorzugte Lage 😉 Die kann man umgehen und dann von San Fernando aus wieder südlicher zum Strand zurückkehren. Hier allerdings kommt man nur bis zur Flussmündung gegenüber des alten Fischerdorfs Sancti Petri.
Mein Traum wäre es, diese Strecke mit einer Kayakfahrt die Flussarme hinauf und/oder zur  vorgelagerten Herkulesinsel zu verbinden und so ans andere Ufer zu kommen. Aber mein erster Versuch, einen Kayakanbieter zu einer Alternativroute zu animieren und uns auf San Fernando-Seite einzusammeln, ist auf Granit gestoßen. Da muss ich noch mal nachbohren bei Gelegenheit.

Fehlendes Puzzlestück 2
Auch zwischen Barbate und Zahara de los Atunes gibt es ein ähnliches Problem. Zwar bin ich hier schon mal auf der Bundesstraße mit dem Mountainbike von Barbate nach Zahara geradelt. Aber zu Fuß ist das, glaube ich, nicht so empfehlenswert und auch nicht schön. Die Brücke über den Fluss Barbate laufend zu überqueren müsste ok sein. Aber auch hier ist am Strand dahinter wieder ein Militärgebiet ausgewiesen, das -soweit ich in Erfahrung bringen konnte- betreten werden darf, wenn keine Manöver anstehen. Hm. Ich habe mit dem Gedanken gespielt, auch hier wieder auf örtliche Kayaktour-Anbieter zu setzen. Bei der Gelegenheit könnte man sich paddelnd die Marismas anschauen und dann vielleicht einfach den Fluss raus und hinter dem Militärgebiet anlanden. Ist das machbar oder totaler Unsinn? Ich hab keine Ahnung.

Weiterpuzzeln
Weil ich einen Vervollständingungs-Tick habe, will ich natürlich auch noch die ganze Küste der Provinz Cadiz bewandern. (Vervollständigungs-Tick… es ist wirklich gefährlich, mit mir irgendwo hin zu reisen. Einmal eine Kanareninsel bereist – ich musste dann alle sehen. Ein bisschen Island besichtigt, ich will am liebsten alle Vulkane, Gletscher und Hotspots abgrasen usw….)
Also wurde auch noch die Küste ab Sanlucar südwärts mit auf die To-Do-Liste aufgenommen. Nachdem ich das dieses Jahr angegangen bin und einen ganzen Teil der Küste dort abgeschritten habe, kann ich sagen: Sanlucar, Chipiona und Rota sind definitiv, absolut eine Reise wert. Aber ich glaube, der eigentliche TartessusTrail bleibt auf Cadiz-Tarifa beschränkt. Hier sind die Strände einfach schöner. Dafür hat Sanlucar Doñana, Chipiona seine Fischgärten und den höchsten Leuchtturm Spaniens und Rota den Tintilla. Erzähl ich euch ein anderes Mal.

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Nach Tarifa mag der – nicht existierende- TartessusTrail aufhören, die Küste und die Provinz Cadiz gehen natürlich weiter, durch die Straße von Gibraltar hinein ins Mittelmeer. Kurz hinter der Flussmündung des Guadiaro bei einem Fleckchen namens San Diego – nicht zu verwechseln mit dem amerikanischen Namensvetter – endet die Provinz Cadiz und es grüßt Malaga. Ob man wohl bis dorthin wandern kann? 🙂


Hier eine Zwischenbilanz meines Beachtrekkings:

✅ Folgende  Tracks habe ich erwandert und für gut befunden:

🔄 Optimierbar ist ein Wegstück dieser Tracks:

📜 Die einzelnen Tracks sind hier auf meiner Wanderkarte eingezeichnet, mit Kurzbeschreibung und wenn schon vorhanden, mit einem Beitrag verlinkt.

➡️ Diese Strecken fehlen mir noch, um den Trail zu vervollständigen:

  • Barbate – Zahara de los Atunes
  • San Fernando – Sancti Petri
  • Zahara de los Atunes – Atlanterra
  • (streng genommen auch Sancti Petri – Novo Sancti Petri, da nicht aufgezeichnet)

➡️ Außerdem fehlen diese hier nördlich bzw. „vor“ Cadiz:

  • Costa Ballena – Rota
  • Rota – El Puerto de Santa Maria
  • El Puerto de Santa Maria – Puerto Real
  • Puerto Real – San Fernando/Cádiz

➡️ Richtung Mittelmeerküste lockt mich auch noch der Weg der Costa de la Colada, und vielleicht lässt sich ja noch weiter bis an die Grenze der Provinz küstentrekken?!

  • Tarifa – Faro Punta Carnero/Algeciras
  • Algeciras – La Linea/Gibraltar
  • La Linea – Guadiaro/San Diego

So sieht es mit dem TartessusTrail aus, Ende 2016. Ob ich 2017 die Lücken schließen kann? Erstmal wartet die Sierra de Grazalema im Frühjahr auf mich. Nachdem ich einmal die Bergluft der Sierra, der Igeltannen und Korkeichen geschnuppert und das Karstgebirge gesehen habe, habe ich Blut geleckt. Mein Vervollständigungs-Tick hat mich voll unter Kontrolle und bekommt Persönlichkeitsspaltung: die Küste, Strände – Ja, alle! Und die Berge – Ja! Auch! Alle!

Habt ihr Tipps oder Ideen für mein Trail-Puzzle?

Wenn eure Füße jetzt Sehnsucht nach Freiheit und feinsandigem Untergrund mit erfrischenden Atlantikwellen bekommen haben sollten, findet ihr Infos und Fotos zu den einzelnen Strand-Wanderungen hier: Wanderkarte (wird regelmäßig mehr)

 

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